Das Westend spricht, Katrin hört zu!

Die dritte Station meiner Sommertour führte mich heute ins Westend. Ich liebe dieses Viertel ja sehr – die perfekte Mischung aus kreativer Subkultur und Münchner Gemütlichkeit. Gemeinsam mit Bille Stöhr und Daniel Günthör aus dem örtlichen Bezirksausschuss hatte ich einen wahren Terminmarathon vor mir – und alle Stationen haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Den Anfang machte ein Besuch der Initiativgruppe für Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. in der ehemaligen Feuerwehrwache. Was diese Menschen für die Integration junger Menschen leisten, ist sehr, sehr beeindruckend. Problematisch ist dabei, dass hier seitens der Stadt meiner Meinung nach zu wenig konzeptionelle und finanzielle Unterstützung zugesichert wird. Ohne Sicherheit lässt es sich aber schlecht arbeiten, vor allem im sozialen Bereich. Hier habe ich natürlich Unterstützung zugesichert.

Weiter ging es dann mit einem Besuch im KÖSK. Dieser Ort ist gelebte Zwischennutzung. Unter dem Träger Kreisjugendring möchte das KÖSK der Ort sein, um „Kunst zu schauen und Kunst zu machen“. In Kooperation mit Schulen, Kultureinrichtungen und Kunstschaffenden werden Projekte organisiert, die sich thematisch oftmals mit der Situation im Westend beschäftigen. Spontanes kreatives Miteinander ist hier also täglich auf dem Programm, so hörten wir auch bei meinem Besuch in den Genuss einer spontanen Jam-Session. Wenig überraschend baten mich die Macher, im Rathaus weiterhin für Zwischennutzungen und Subkultur mit all ihren positive Effekte auf die Stadt einzustehen. Das mache ich aus Überzeugung natürlich sehr gerne!

Nach unserem Step-By beim KÖSK stand als nächste Station das berühmt-berüchtigt Haus mit der Roten Fahne auf dem Programm. Das Team nahm uns freundlichst in nahezu voller Besetzung in Empfang. Danach bekamen wir eine kleine Führung durch die aktuelle und sehr empfehlenswerte Ausstellung zu Bertold Brechts Tochter Anne Hiob. Natürlich sprachen wir auch über die Zukunftssorgen, nachdem die CSU seit Jahren versucht, diesem Stück Stadtgeschichte den Garaus zu machen. Unsere Unterstützung war und ist euch sicher! Jede Stadt braucht kritische Stimmen! P. S.: Mein absolutes Highlight bei diesem Besuch: Die Original Druckerpresse aus den 50er Jahren (siehe Foto)!

Nach diesem sehr angenehmen Besuch machten wir uns auch schon wieder auf zur nächsten Etappe: Das Ligsalz8 – ein Wohnprojekt, das sich im Rahmen des Mietshäusersyndikats selbstverwaltet und sich ganz der sozialen Sache verschrieben hat. Das Projekt kann als Teil Mietshäuersyndikats akzeptable Mieten anbieten, zudem engagieren sich alle Hausbewohner*innen bei der Beratung und Betreuung Bedürftiger. So gibt es einen wöchentlich stattfindenden Mittagstisch – das Schöne dabei: Hier wird gemeinsam gekocht. Ein klasse Projekt, dass ich mit ganzem Herzen unterstütze! So geht Solidarität im Viertel! Im Rathaus werde ich mich auf jeden Fall für eine Ausweitung solcher Projekte einsetzen, vor allem weil wir hier auf kommunaler Ebene endlich auch mal Handlungsspielraum beim Reizthema Wohnen haben.

Nach diesem Ausflug in die lebendige Subkultur im Westend, durfte ich diese wahrhaft wunderbare Sommertour in einem der tollen Parklets von Green City e.V. beschließen. Auf unsere Initiative hin wurden diesen Sommer einige Parkplätze zu grünen Oasen mit Sitzgelegenheit umgewandelt, andere wurden als Radlparkplätze gestaltet. So beschlossen wir diesen langen, aber sehr, sehr spannenden Tag schlussendlich mit vielen Menschen aus dem Viertel bei einem kühlen Bierchen im Liegestuhl und gingen dann alle nochmal ins Meer…ups, das war was anderes – angefühlt wie Urlaub hat es sich aber allemal. Ich werde mich jedenfalls auf Wunsch der Leute im Viertel vehement für eine Wiederholung und Ausweitung des Projekts im kommenden Sommer einsetzen!

Am Ende bleibt folgende Erkenntnis: München kann Subkultur und es liegt an uns, diese Seite Münchens von einem zarten Pflänzchen zum festen Bestandteil der Stadt zu machen.

Auf bald
Eure Katrin.